Das erweiterte Kampffeld

Die Idee des Festivals Express EC 47 löste bei vielen polnischen Kunstschaffenden allergische Reaktionen aus. Sie wollten nicht an einem Ereignis teilnehmen, das mit Politik assoziiert wird. Am wichtigsten sei die persönliche, von politischen, gesellschaftlichen Konnotationen freie Aussage – argumentierten sie. Aber es geht doch keineswegs darum, dass die Künstler für eine Partei, für SLD, PO, PiS oder LPR plädieren. Denn Politik bedeutet nicht Kampf zwischen den Parteien, sondern Diskussion über gemeinsame Themen. Damit kein Mensch einem anderen Menschen nur eine einzige Denkweise aufzuzwingen versucht. Damit die Tatsache, dass religiöse Werte beleidigt oder sittliche, nur für eine regierende Partei legitime Normen verletzt wurden, nicht als wichtigstes Argument bei der Bewertung eines Kunstwerkes gilt. Damit Meinungen, dass die Ökonomie unser Leben regiert, und dass die Demokratie den Ländern, die auf den falschen Weg geraten, missionarisch zu bringen ist, nicht unanfechtbar bleiben. Soll das Theater sich dafür nicht interessieren? Soll es sich nur mit den persönlichen Problemen des Künstlers beschäftigen, sich selber kommentieren? Antonin Artaud bezeichnete das Theater als Pest mit reinigender Kraft. Brecht ging noch weiter: Theater ist Krieg. Das Programm des Festivals Express EC 47 zeigt die Schatt/ierung/en des aktuellen Theaters, das die elitären Randzonen verlässt. Es stellt sich ins Zentrum der Geschehnisse. Es engagiert sich in Diskussionen. Es gibt keine einfachen Antworten.

Łukasz Chotkowski
Kurator des Festivals